Internationaler Frauenkampftag 2015: Die Emanzipation der Frauen muss das Werk der Frauen sein!

Es lebe der internationale Kampf um Frauenemanzipation!

Hoch den 8. März!

Sehen wir uns die heutige Frauenbewegung in Österreich an, erkennen wir eine in den letzten Jahren vor sich gehende Verbreiterung der Bewegung. Einzelne Demonstrationen und Strömungen in der Frauenbewegung sind vielleicht heute schwächer als von einigen Jahren, doch insgesamt gibt es im gesamten Bundesgebiet mehr Aktionen zu dieser Frage und mehr Frauen, die daran teilnehmen. Das ist eine positive Tendenz! Ebenso sehen wir, dass viele Frauen nicht nur an Bewegungen und Aktionen zu konkreten Anliegen der Frauen teilnehmen, sondern auch in anderen Bewegungen einen wachsenden Anteil stellen, insbesondere in den großen antifaschistischen und antirassistischen Mobilisierungen, die die letzten Monate politisch gekennzeichnet haben (gegen den Burschenbundball in Linz, WKR-Ball in Wien und diverse PEGIDA-Aufmärsche). All das ist gut und zeigt, welch wichtiger Teil der politischen Bewegung die einzelnen Frauen als auch die Frauenbewegung als Ganzes ist.

Gleichzeitig besteht aber die tiefe Zersplitterung der Frauenbewegung fort, die ideologisch betrachtet derzeit hauptsächlich eine Zersplitterung verschiedener Strömungen des kleinbürgerlichen Feminismus ist. So gibt es eine starke Tendenz, welche die Frauenbewegung von anderen Kämpfen in gewisser Weise zu seperieren versucht, vor allem über den Aufbau und die Etablierung von „Frauen-Inseln“ in verschiedener Hinsicht. Nun liegt dieser Haltung die sicherlich richtige Erkenntnis zugrunde,proletarischer-feminismus dass es in der Geschichte der politischen revolutionären Bewegungen immer wieder eine starke Fortsetzung des Patriarchats innerhalb der eigenen Reihen gab. Zu oft waren es Männer, die die Politik nicht zusammen mit den Genossinnen der Bewegung durchführten, sondern auf dem Rücken der Frauen. Das ist eine geschichtliche Erfahrung an der nicht groß gerüttelt werden kann, sondern die kritisiert werden muss. Daher ist es auch vollkommen richtig, wenn besonders betont wird, dass die Emanzipation der Frauen nur das Werk der Frauen sein kann und, damit zusammenhängend, auch die selbstständige Organisierung von Frauen eingefordert und umgesetzt wird! Wir halten es jedoch für falsch, zu sagen, dass das gleichzeitig bedeutet, dass die Emanzipation nur „gegen die Männer“ passieren kann. Warum? Weil das Patriarchat eben nicht entsteht durch die den Mann bevorzugende Arbeitsteilung (auch wenn diese eine Rolle spielt), sondern durch die Entstehung des Privateigentums an Produktionsmitteln, welches die besondere Ausbeutung und Unterdrückung der Frau hervorbrachte. Deshalb ist der Feminismus als solcher revolutionär. Deshalb ist ferner die ArbeiterInnenbewegung, die ihrem ureigensten Interesse folgend gegen das kapitalistische Privateigentum kämpft, die „natürliche“ Bündnispartnerin der allgemeinen Frauenbewegung. Die Frauenbewegung erweist sich selbst also keinen guten Dienst, sondern schwächt sich selbst, wenn sie auf das Bündnis mit der ArbeiterInnenbewegung (und diese umfasst auch Männer) bewusst verzichtet. Die Emanzipation der Frauen als Werk der Frauen selbst bedeutet nicht, die eigenen Kräfte zu schwächen indem auf eindeutig mögliche Kampfgemeinschaften verzichtet wird, sondern meint, dass die Frauen sich im gemeinsamen Kampf mit der ArbeiterInnenbewegung natürlich selbst organisieren müssen und natürlich ihre Genossen scharf zurechtweisen, kritisieren und ideologisch bekämpfen müssen, wenn diese patriarchale Ideologien in den Kampf tragen (so wie es selbstverständlich auch Aufgabe der Genossen ist, solche Ideologien zu bekämpfen). Das heißt aber nicht, dass der Kampf für Frauenemanzipation prinzipiell ohne die Männer erfolgt, oder dass Frauenbewegung und ArbeiterInnenbewegung getrennte Wege gehen sollen.

Die andere prominente kleinbürgerliche Strömung in der Frauenbewegung bezieht sich scheinbar stärker auf die ArbeiterInnenbewegung und hätte sich selbst natürlich niemals im Verdacht, kleinbürgerlich zu sein. Doch wie ist es wirklich darum bestellt? Geht sie tatsächlich von den Interessen der ArbeiterInnenbewegung aus? Diese Fragen müssen verneint werden, denn tatsächlich liegt der Schwerpunkt ihrer Politik darauf, Tagesforderungen zur Grundlage ihrer Politik zu machen, die ArbeiterInnen- und damit zusammenhängend auch die Frauenbewegung in das korporativistische System von Wahlen, ob Arbeiterkammer oder Parlamentarismus, einzugliedern. Dieser Kurs ist den Interessen sowohl der Frauen- als auch der ArbeiterInnenbewegung diametral entgegengesetzt. Er schafft nicht Klarheit über das Privateigentum an Produktionsmitteln als Ursache der Frauenunterdrückung und der Ausbeutung der ArbeiterInnenklasse, sondern lässt diese Tatsache, und die damit einhergehende politische Notwendigkeit des revolutionären Kampfes, unter einer Lawine von Wahlaufrufen, Tagespolitik und unselbstständiger Organisierung der Frauen unter dem Deckmantel des „gemeinsamen Kampfes“, verschwinden. Wegen dieser dem System so sehr angepassten Linie, gibt es auch wenig Frauenmilitanz und Rebellion in dieser Strömung des kleinbürgerlichen Feminismus, womit sie politisch weit hinter der im ersten Punkt beschriebenen Strömung zurückbleibt und für die Frauenbewegung schlussendlich deutlich weniger politische Relevanz besitzt – auch wenn es ihr in manchen Fällen gelingt, die Kontrolle über regionale Bewegungen und Initiativen zu erlangen.

Entgegen unterschiedlicher Strömungen des bürgerlichen und kleinbürgerlichen Feminismus, bildete die weltweite kommunistische Bewegung, ideologisch mit den „Manifest der Kommunistischen Partei“ beginnend, die Strömung des proletarischen Feminismus aus. Der proletarische Feminismus erschöpft sich nicht darin, dass er vor allem die Interessen der Arbeiterinnen in den Vordergrund rückt und erklärt, dass sie die führende Kraft der Frauenbewegung sein müssen, sondern geht viel weiter. Erproletarischer-feminismus2 betont die Wichtigkeit des fortgesetzten Klassenkampfes im Sozialismus, versteht es richtig die Frauenbewegung und die ArbeiterInnenbewegung in dialektische Beziehung zueinander zu setzen und den Kampf gegen das Patriarchat in den eigenen Reihen zu entfesseln. Der proletarische Feminismus anerkennt vollkommen, dass die Frauen nicht einfach eine „Reserve“ der Revolution sind, sondern eine wichtige Triebkraft und Führung bilden, entsprechend müssen die Frauen selbst den Kampf um die Emanzipation führen, dürfen dabei nichts den Männern allein überlassen, dürfen nicht passiv sein und nichts aus der Hand geben. Uns fällt auf, dass es in Deutschland seit einiger Zeit einen verhältnismäßig entwickelten Ausdruck des proletarischen Feminismus gibt. Das finden wir gut, denn es zeigt, dass es innerhalb der revolutionären Bewegung ideologische Auseinandersetzung und Entwicklung gibt. Das Rote Frauenkomitee in Deutschland schreibt in seinem Aufruf zum diesjährigen 8. März: „Der proletarische Feminismus ist nicht eine andere Ausdrucksform revolutionärer Frauenarbeit wie sie die ‘Kommunisten’ früher gemacht haben, sondern ein theoretischer und praktischer Beitrag zur Entwicklung des Marxismus (…)“. Wir wollen allen Interessierten und TeilnehmerInnen der Frauenbewegung und der ArbeiterInnenbewegung empfehlen, diesen Aufruf zu lesen.

Leider sehen wir in Österreich innerhalb der Frauenbewegung noch keine spezifische Gruppe oder Organisation dieser Bewegung, die sich klar auf den proletarischen Feminismus beziehen würde. Auch nicht das Rote Frauenkomitee in Wien, das in der Vergangenheit zumindest den Begriff des „proletarischen Feminismus“ immer wieder aufgegriffen hat. Dass das nicht der Fall ist bedeutet für uns als Rot Front Kollektiv, dass die ideologisch klarste Position der Frauenbewegung in Österreich scheinbar noch keine Verankerung besitzt und noch Diskussionen darum geführt werden müssen. Als Kollektiv sind wir keine politische Organisation im engeren Sinne, sondern sehen unsere Aufgaben hauptsächlich der ideologischen Diskussion. Daher haben wir zum diesjährigen 8. März auch zwei Dokumente veröffentlicht, die unserer Meinung nach in der Frauenbewegung Beachtung finden sollten. Einerseits „Die Frauenfrage“ von Eleanor Marx-Aveling, der Tochter von Karl Marx. Sie war eine wichtige Kommunistin und Kämpferin der Frauenbewegung, stellte als eine der ersten Marxistinnen überhaupt klare Positionen der kommunistischen Bewegung zur Frauenbewegung auf. Heute ist sie leider sehr in Vergessenheit geraten. Dem entgegenzuwirken und die Debatte um die historischen Wurzeln des Verhältnisses von Marxismus und ArbeiterInnenbewegung diskutieren zu können, ist unsere Absicht mit der Herausgabe dieser Schrift. Weiter publizieren wir den in der vergangenen Woche auszugsweise im Internet veröffentlichten Text „Es lebe der Proletarische Feminismus!“, verfasst von den Komitees zur Gründung der (maoistischen) Kommunistischen Partei in Österreich. Es ist unserer Kenntnis nach eines der ersten Dokumente des proletarischen Feminismus in Österreich und trifft ideologisch sehr klare Aussagen. Wir denken, dass es ein wichtiger Beitrag für die Frauenbewegung in Österreich sein kann, daher wollen wir es in gedruckter Form einem interessierten Publikum zugänglich machen.

Wir hoffen mit der Auswahl dieser beiden Schriften einen guten Beitrag zur ideologischen Debatte in der Frauenbewegung zu leisten. Wir sind sicher, dass die Frauenbewegung im Kampf um die richtigen Positionen Antworten finden wird auf die drängenden Fragen die sich ihr stellen, dass es ihr möglich sein wird, sich von schädlichen Einflüssen zu befreien und sie auf dem erkämpften Weg in Zukunft große Fortschritte machen wird. Dabei wollen wir sie mit aller Kraft unterstützen.

Hoch der 8. März!

Proletarischer Feminismus – Für den Kommunismus!

 

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